Nein, es ist keine gute Idee und extrem langweilig. Landschaftsmalerei oder Eifelmalerei im Jahr 2026 geht nicht damit, dass ein billiger Prompt für die sogenannte Künstliche Intelligenz (KI) geschrieben oder eingesprochen wird. Wenn Sie es dennoch tun wollen, es ist kinderleicht. „Male mir ein Bild einer Landschaft, die typisch für die Eifel ist“ und schon sampelt die KI Fotos, stellt eine illusionistische und inszenierte Landschaft zusammen und legt einen Filter Ölmalerei darüber. In der Regel wird ein See dabei sein, da Seen in der Eifel Maare heißen und für die Landschaft berühmt sind. Vorab: Die KI verfolgt eine künstlerische Strategie, wie sie die romantisierenden Eifelmaler des 19. Jahrhunderts auch schon einsetzten. Die einen mit Pinsel und Öl, die KI mit Pixeln. Dabei wirken die Romantik-Eifelmaler als Influencer für die KI des 21. Jahrhunderts. Das ist wirklich verrückt.
Eifelmalerei a la KI
Ein digitales Foto als Malerei darzustellen ist nicht neu. Eine solche Vorgehensweise ist bereits seit Ende der 1990er Jahre digital möglich, etwa seit es in Bildbearbeitungsprogrammen den Filter „Ölfarbe getupft“ gibt. Und das ist nicht der einzige Filter einer Maltechnik, die digital verfügbar ist. Wahlweise gibt es auch „grobe Malerei“ oder „Aquarell“ und viele Malstile mehr. Sie machen sich die Finger nicht schmutzig, es riecht nicht nach Leinöl, sondern sie müssen nur zwei Regler bedienen.
Ok, in Zeiten vor KI mussten digitale Hobbykünstler ein Bildbearbeitungsprogramm kaufen und bedienen können. Auch die Ergebnisse der KI-Suche in gängigen Suchmaschinen zum Keyword „Eifelmalerei“ bringen jede Menge Klischees, wie sie aus jedem x-beliebigen Reiseführer zu kopieren sind. Für einen ersten Anhaltspunkt können diese aber durchaus dienlich sein. Sie sind aber noch mehr: Diese KI Ergebnisse inspirieren die KI, die ihr Bild malt.
Die Sampling Maschine listet vor allem Historisches und wenig Aktuelles zur Eifelmalerei. Wahrscheinlich, weil es dazu zu wenig Texte und Relationen zur Moderne gibt. So beginnt die KI mit der „Düsseldorfer Schule“ und spricht von Naturstudien der Felsformationen, der Burgen und nennt die Burg Eltz. Die Natur kategorisiert sie als rau und romantisch. Sie nennt historische Maler aus längst vergangener Zeit wie Johann Wilhelm Schirmer, Karl Friedrich Lessing oder Fritz von Wille.
Die Düsseldorfer Schule und die romantisierende Eifel-Landschaftsmalerei
Schirmer und Lessing studierten die Landschaft im Freien und entwarfen im Atelier. Statt Landschaft, so wie sie vor dem Auge des Malers liegt, zu porträtieren stand bei den Malern der Düsseldorfer Schule im 19. Jahrhundert das charakteristisch-typische Landschaftsbild, das zudem idealisiert wurde im Vordergrund. Das ist weit entfernt von der Arbeit der Impressionisten oder den Malern der Plein Air Bewegung. Schirmer etwa reiste mit seinen Schülern in die Eifel oder an die Mosel bis fast nach Trier. Bei diesen Studienreisen mit dem Meister ging es um die Skizze. Die Topographie, das Licht oder der Landschaftsraum als solches wurden auf Papier gebracht und dienten später im Atelier als Vorlagen, die in freier Komposition zu einer idealisierten Landschaft zusammenphantasiert wurden. Zudem ging es um Details: So studierten der Meister und seine Schüler einzelne Blätter, Äste einen Baumstamm, den Feld oder Bachlauf. Zu nennen sind die Schüler Arnold Schulten, Peter Heinrich Happel, Friedrich Heunert, Heinrich Funk und Johann Adolf Lasinsky, die ihrem Meister nacheiferten, aber bei weitem nicht dessen Bekanntheit erreichten und heute nur noch Fachleuten ein Begriff sein dürften.

Das Bild zeigt eine Darstellung der blauen Blume gemalt von Fritz Wille. Werk: gemeinfrei
Fritz von Wille – der Eifelmaler
Bei Fritz von Wille ist dies anders. Ihm und seiner Landschaftsmalerei in der Eifel wird heute noch gehuldigt. Fritz von Wille wurde am 21. April 1860 in Weimar geboren und verstarb am 16. Februar 1941 in Düsseldorf. Er gilt als bedeutender Eifelmaler. Auch Fritz von Wille zählt zu den Landschaftsmalern der Düsseldorfer Malerschule. Seine Signatur war vor allem in den Anfangsjahren „Fritz von Wille jr.“, denn der Vater malte auch. Von den Düsseldorfern übernahm Wille vor allem deren Detailversessenheit. Seine Blütezeit lag zwischen 1890 und 1910. Ab dem Jahr 1885 reiste Fritz von Wille immer wieder in die Eifel und ab 1899 bis 1905 besaß er einen Zweitwohnsitz im Haus „Friedrichsruh“ in Reifferscheid. Es folgten die Burg Dalbenden, der „Liebfrauenhof“ bevor er 1911 auf die Burg Kerpen zog, die er erwarb. Fritz von Wille galt als der Experte der Landschaftsmalerei in der Eifel. Anders als seine Vorgänger aus der Düsseldorfer Malerschule idealisierte er nicht mehr, sondern schuf in der Zeit des Realismus, realistische Darstellungen der Landschaft, wie er sie sah.
Im Jahr 1904 zeigte Wille seine Eifelmalerei in der Düsseldorfer Kunsthalle. Der Titel der Ausstellung: „Eifel-Collection“. Schon zu Lebzeiten erhielt er den Titel „Der Eifelmaler“. Fritz von Wille fasste nach dem Ersten Weltkrieg, wo er diente, nie wieder richtig Fuß in der Malerszene, die sich stilistisch weit von der realistischen Landschaftsdarstellung entfernte. Genannt sei der 1909 in Düsseldorf gegründete „Sonderbund“. Zudem wurde die Kunstszene von den Impressionisten, Expressionisten, Dada oder Futuristen inspiriert. Eine neue Zeit in der Malerei, die keinen Platz für den Realismus ließ. Fritz von Wille versuchte sich malerisch dem Zeitgeschmack anzupassen, aber das gelang ihm nicht wirklich. Sein Grab liegt hinter der Burg Kerpen.
In Bitburg gibt es ein Fritz von Wille-Museum im Kulturzentrum „Haus Beda“. Das Museum verfügt über einen Fundus von rund 100 Gemälden aus allen Schaffensphasen von Fritz von Wille. Darunter befinden sich Repliken der „Blauen Blume“ oder Werken wie „Ein klarer Tag“ (1906), „Sommertag in der Eifel“ (1907), „Einsamkeit“ (1911) oder die „Burg Reifferscheid im Winter“.
KI und romantisierende und realistische Eifelmalerei
Erinnern Sie sich an den oben beschriebenen Prompt? Zur Erinnerung: „Male mir ein Bild einer Landschaft, die typisch für die Eifel ist“. Das Bild, das ihnen angezeigt werden wird, basiert auf den stilistischen Idealen des 19. Jahrhunderts.
Die Strategie der Eifelmaler der Romantik und des Biedermeier ist ähnlich der, wie sie KI malerisch strategisch einsetzt. So wird das vorhandene Bild erfasst und idealisierend zu einer künstlerischen Darstellung transformiert. Im Falle der romantischen Eifelmaler gingen sie in die Natur und dokumentierten mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln der Zeichnung das Vorgefundene und Gesehene bis ins kleinste Detail. Dann transformierten sie es in eine idealisierte Abbildung einer Landschaft, die es gar nicht gab. So wurde aus der Kulturlandschaft (schon damals gab es keine Naturlandschaft in der Eifel mehr), die sie dokumentierten, eine idealisierte Kulturlandschaftsdarstellung. Ein idealisiertes Abbild einer Vorstellung des Menschen einer romantischen Landschaft. Interessant ist der Zeitpunkt, denn 1837 wurde die erste deutsche Fotografie von Franz von Kobell angefertigt. Die Technik stand also spätestens ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Malern zur Verfügung.
Was passiert bei der Malerei mit KI? Ausgehend vom realistischen Abbild eines oder mehrerer Fotos plus klischeehafter Vorstellung eines romantisierenden Landschaftsbildes, schafft die KI ein idealisiertes Abbild der heutigen Kulturlandschaft. Mehrere Fotos, die die KI zusammenkomponiert, helfen ihr dabei, Urheberrechte zu umschiffen.
Aber welchen Malstil legt der Algorithmus fest, wenn dieser nicht durch den Prompt vordefiniert wird? Unser Prompt kann natürlich verfeinert werden und ein Stil festgelegt werden. Da wir das nicht taten, orientiert sich die KI in der Festlegung des künstlerischen Stils an der Ölmalerei, wie sie die Maler der Düsseldorfer Schule festlegten.
Ein allgemein gefasster Prompt, der keinen Stil vorgibt, produziert also ein Bild, dass der KI Beschreibung über die „Merkmale der Eifelmalerei“ nahekommt und ein Bild generiert, das ein Abbild in Richtung der Düsseldorfer Schule generiert.
Das KI-Malerei-Rezept
Denn die Suchmaschine schreibt in ihrer KI das Rezept dafür, also die Vorgaben: So seien die Motive aus Burgruinen, Felsformationen, Maare, die Ahr, Wälder, Ginsterblüten und dem rauen, atmosphärischen Licht zu entnehmen. Der Stil wird ebenfalls beschrieben: „Oft detailreiche, realistische Wiedergabe der Natur, aber auch romantische Überhöhung und dramatische Lichtführung.“ Als Maltechnik gibt die KI Öl- und Aquarellmalerei also die Techniken aus dem 19. Jahrhundert an.
Zudem framt die KI das Wort „Eifelmalerei“ mit einer weiteren Plattitüde. „Wo Kunst und Natur sich treffen“ und schreibt: „Besucher können die Schönheit der Eifel in Museen, Galerien und natürlich direkt in der Natur erleben, die als Inspirationsquelle dient.“
Ein kleines Bonmot zum Schluss. Die KI ist historisch exzellent aufgestellt. Zwar werden schon einmal Namen falsch geschrieben. Eine ergänzende Recherche kann diese kleinen Fehler heilen. Aber zappenduster wird es, wenn es um zeitgenössische Malerei zum Thema Eifelmalerei geht. Es findet sich ein einziger Künstler. Nur einer? Den Stil, die Technik, die Arbeitsweise oder moderne Interpretationen von Kunst in der Eifel finden sich nicht. Hier hat die KI keinen Überblick, oder kann dies nicht einordnen. Ein Beispiel: Dass ein Welt-Künstler wie Gerhard Richter sich mit der Eifel beschäftigt, findet sich in der Erklärung der KI zur Eifelmalerei nicht.
So entsteht für denjenigen, der KI einsetzt, ein einseitig historisch geprägtes Bild zur Eifelmalerei. Die Moderne findet schlicht nicht statt. Und damit ist noch nicht einmal das 21., sondern auch das 20. Jahrhundert gemeint. Die KI produziert also inhaltliche und visuelle Fehlstellen.
Ein Einwand kann sein, dass die Suche nach Information war schon immer selektiv. Ob über die Suchmaschine, die Wikipedia oder in einer Bibliothek. Allerdings merkte die Suchmaschine an, wie viele Suchergebnisse es gibt. Die Wikipedia gab Querverweise, die nicht vollständig waren und gleiches fand sich in den Büchern in einer Bibliothek. Die KI trägt ihre Ergebnisse forsch vor und vermittelt den Eindruck, dass es sich um die Wahrheit und die einzig richtige Wahrheit handelt. Wir sollten skeptischer sein.

Der Katalog mit den Malereien Eifellandschaften von Andi Goral kann kostenfrei heruntergeladen werden
Eifelmalerei von Andi Goral
Die Eifelmalerei von Andi Goral findet vor Ort statt und im Winter im Zeichenraum nach Skizzen. Sonst trocknet die Farbe nicht. Eine Idealisierung der Landschaft lehnt der Zeichner und Maler Andi Goral ab.
Sie interessieren sich für die Eifelmalerei von Andi Goral? Dann finden Sie den digitalen Katalog hier, den Sie kostenfrei herunterladen können.