Zu meiner Arbeit an Stele 3 bei der LakeArtExpo 2026

Zwei sich küssende Badende im Bodensee vor Langenargen
(Vortragstext von Andi Goral)
Das Motiv der Badenden ist nicht neu. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Kunstgeschichte. Von der Antike über die Renaissance, blühte in der Moderne richtig auf und beschäftigt Künstlerinnen und Künstler bis heute. Ich füge heute in LA ein weiteres Badenden-Motiv am Bodensee hinzu.

Mythologie und Allegorie begleitet lange Zeit die Darstellungen Badender, die in intimen Szenerien in Skulpturen oder auf Vasen in der Antike inszeniert sind. Diana oder Susanna im Bade, die badende Bathseba von Rembrandt van Rijn aus dem Jahr 1654. Jacoppo Tintoretto malte um 1555 „Susanna im Bade“.
Die menschliche Figur beim Bad als Akt oder als nackter Mensch mit Badebekleidung ist auch deshalb so beliebt, weil Nacktheit in den Kontext Bad, Sommer und Strand eingebunden wird. Es ist eine Option, nackte Haut gesellschaftlich akzeptiert darzustellen.
Für die alten Meister galt die Badeszene im Freien als harmonische Einheit von Mensch und Natur. Hieronymus Bosch malte Badende in seinem Garten der Lüste, Lucas Cranach der Ältere um 1530 das „Goldene Zeitalter“ oder Albrecht Dürer zeichnete das „Frauenbad“. Auch Altdorfer oder Gentilischi sind zu nennen.
Malerinnen und Maler der Moderne entdecken das Sujet für sich und verhelfen ihm zur Blüte. „Die großen Badenden“ von Paul Cezanne seien zuerst genannt. Renoir, Degas, oder Claude Monet widmeten sich der Badenden-Motivik.
Die deutschen Expressionisten der Brücke oder des Blauen Reiter malten Badende. Ernst Ludwig Kirchner schuf mit dem „Paradies“ einen ganzen Zyklus aus seiner Zeit auf Fehmarn. Max Pechstein oder Erma Barrera-Bossi malten Badende.
Mit Erich Heckel findet sich eine Verbindung zum Bodensee und den Malern auf der Höri. Adolf Dietrich und Otto Dix malten hier.
Edmund Stierle oder Hans Purrmann malte eine Bodenseelandschaft mit badendem Jungen. Oder denken Sie an die Figuren von Peter Lenk an unterschiedlichen Orten am Bodensee.
Die Liste der großen Namen hört hier noch nicht auf: Picasso, Matisse und Max Beckmann widmeten sich dem Motiv der Badenden und Strandszenen.
Beckmanns Bild „Lido“ aus dem Jahr 1924 entstand nach einem Urlaubsaufenthalt im italienischen Pirna an der Adria. Aber nicht nur in Europa faszinierte das Sujet Künstlerinnen und Künstler oder Filmemacherinnen und Filmemacher.
Nicht wenige hier dürften sich an eine Szene aus einem berühmten Film aus dem Jahr 1963 erinnern: Liz Taylor als badende Cleopatra.
Die Faszination der Badenden-Motivik reicht bis in unsere Tage: Erinnert sei an den erst kürzlich verstorbenen David Hockney und seine Obsession für Pools. Oder Gerhard Richter, der das Sujet aufgriff. Zwar findet sich bei Tracey Emin kein Bild mit dem Titel „Badende“ aber in ihren Bildern finden sich Badewannen.
Ich habe Ihnen eine Liste mit Bildern und Malerinnen und Malern zur Inspiration auf meiner Homepage goralkunst.de zusammengestellt. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber bietet einen ersten Überblick.
Ich persönlich fand zum Motiv der „Badenden“ an der Ostsee, bei einer Studienreise. Jetzt beame ich das Motiv an den Bodensee nach LA – Langenargen am Bodensee. Zwei Menschen, die gemeinsam baden küssen sich. Ein Moment des Glücks.
Zu meiner Malweise: Meine Figuren und Motive konstruiere ich um sie zu dekonstruieren. Ich arbeite gestisch expressiv in meiner Malerei. Die Bildspannung aus der Farbe und Farbschichtung ist mir wichtiger als das detailgetreue Abbild. Ausgangspunkt ist die Realität.
Das Motiv der Badenden ist eine Möglichkeit, Nacktheit jenseits von Mythologie und Allegorie darzustellen. Die Zwei sich küssenden Badenden – ein heteronormatives Paar tragen Textil, ganz züchtig, da sie hier im öffentlichen Raum stehen.
Die Skizzen, die im Vorfeld zur Entwicklung der heutigen Tafelmalerei entstanden sind und diesen Text finden Sie ebenfalls über
goralkunst.de
Fragen? Gern, ich versuche zu antworten.
Edition zur LakeArtExpo 2026
Zur LakeArtExpo gibt es eine kleine Edition an Aquarellen und einen Linoldruck, die ihr hier käuflich in meinem Online-Shop „Kartenmeisterei“ erwerben könnt: Aquarellskizzen und Linoldrucke zur LakeArtExpo2026
Das Motiv „Badende“ in der Kunstgeschichte
(Exemplarisch und ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
Antike bis Renaissance
Griechenland: Hydrien (Wassergefäße) mit mythologischen Figuren wie Artemis, erotische Darstellungen der Göttinnen und Götter wie etwa Leda und Schwan (Zeus)
Römerzeit: Mythologische Szenen in Wandbildern in Pompeij wie etwa „Diana im Bade“, die Caracalla Thermen in Rom
Albrecht Dürer, 1496: „Das Frauenbad“
Hieronymus Bosch, 1500: „Der Garten der Lüste“
Albrecht Altdorfer, 1526: „Susanna und die beiden Alten“
Lucas Cranach der Ältere, 1530: „Das goldene Zeitalter“
Jacoppo Tintoretto, 1555-1556: „Susanna im Bade“
Artemisia Gentileschi, 1610: „Susanna und die Ältesten“
Rembrandt van Rijn, 1654: „Badende Bathseba“
Moderne
Jean Auguste Dominique Ingres, 1808: „Die Badende von Valpincon“
Claude Monet, 1869: „Badende bei La Grenoullière“
Gustave Caillebotte, 1878: „Badende an den Ufern der Yerres“
Auguste Renoir, 1884-1887: „Die großen Badenden“
Thomas Eakins, USA, 1884-1885 : „The Swimming Hole”
Edgar Degas, 1886-1988: „Frau in der Badewanne“, „Frau, die sich trocknet“
Paul Cezanne, 1894-1905: „Les grandes Baigneuses“
Marry Cassart, 1890, US-Impressionistin: „Woman bathing“
Paul Gaugin, 1892: „Fatata te Miti“, gemalt bei seinem Aufenthalt auf Tahiti
Henri Matisse, 1907: „Badende”
Erich Heckel, 1909: „Badende Frauen“; „Fränzi mit Decke“; zählt zu den Künstlern wie Otto Dix „Nordseestrand“ oder Adolf Dietrich, die auf der Halbinsel Höri am Untersee des Bodensees malten. Lebte in Radolfzell. Künstler der Brücke
Erma Barrera-Bossi, 1911: „Badende“, die Künstlerin gehört zum Kreis der Malerinnen und Maler des Blauen Reiter
Max Pechstein, 1914: „Badende“, Künstler der Brücke
Ernst Ludwig Kirchner, 1918: „Paradies“-Serie, Fehmarn; „Badende am Strand“, Künstler der Brücke
Hans Purrmann, 1918, Kaltnadelradierung: „Vier badende Frauen (Sommer)“; „Bodenseelandschaft mit badenden Jungen“ aus dem Jahr 1922
Pablo Picasso setzte sich ab 1920 intensiv mit Strandszenen auseinander
Franz von Stuck, 1920: „Badende Frauen“
George Bellows, USA, 1921: „Bathing Beach”
Edmund Hopf, 1925: „Badende“
Max Beckmann: „Lido“ im Jahr 1924 nach einem Urlaubsaufenthalt im italienischen Piran an der Adria und 1934 die „Badende mit grüner Kabine und Schiffern“
Elizabeth Taylor badet 1963 als „Cleopatra“ im gleichnamigen Film
David Hockney: „A bigger splash“ (1967); „Pool with Two Figures“ (1972)
Gerhard Richter, 1994: „Kl. Badende“ (Kleine Badende); das Ölgemälde zeigt seine Ehefrau Sabine Moritz nach dem Bad
Peter Lenk, Skulpturen am Bodensee
Beiträge zur LAke Art Expo 2026:
Agora LA berichtet über den Tag und Rundgang zur LAke Art Expo 2026
Dokumentation Live Painting auf der LAke Art Expo 2026
Bitte den Link verschicken an

















Ein erwachsener Mensch atmet am Tag rund 23.000 mal. Je nach Aktivität und Alter. Ein und aus, ein und aus. Jede und Jeder.
Sesshafte bilden komplexe Strukturen und produzieren mit der Erde, auf der sie sich niederließen. Diese „Neolithische Revolution“ begann vor 12.000 Jahren. Heute in Zeiten des exponentiellen Wachstums hinterlassen beide Spuren. Die Grenzen des Wachstums sind erkannt und beiden bekannt. Lösungen liegen vor. Setzen Menschen sie um? Die Anführer der neuen Nomaden versprechen jetzt unendliche Ressourcen im Weltall und trommeln für ein Weiterziehen. Viele der Sesshaften pressen ihr Eigentum gierig aus. Beide, Nomaden und Sesshafte, hinterlassen ihre öligen Spuren in der Erde. Beide sehen und handeln nach dem Prinzip „Aus den Augen aus dem Sinn“.
Wir gehen aufrecht und schwärmen von unserer „Wonderful World“ mit blauem Himmel und roten Mohnblumen. Die Probleme unseres Handelns blenden wir vor so viel Schönheit aus. Die Malerei „Aus den Augen“ dreht diese Perspektive um 180 Grad und bringt die Erde auf Augenhöhe. Aber sie zeigt nicht einfach nur die auf den Bildträger aufgeklebte Erde aus der Eifel. In diese Eifelerde ist Alltagsmüll eingemalt: Ein rosafarbener Gummihandschuh, ein gebrauchtes Kondom, ein durchsichtiger Knotenbeutel, ein gelbes Zitronennetz, ein Coffee-to-go-Becher, eine graue Ein-Liter-Öldose sowie eine blaue Plastiktrinkflasche. Die abstrahiert gemalten Gegenstände werden in der Realität alle aus Erdöl hergestellt. Erdöl ist eine Ressource, die der Mensch der Erde entnimmt. In der vom Menschen vermüllten Erde wächst eine Karotte, die sinnbildhaft für unsere Lebensmittel steht und eine Mohnblume ragt ins weite Blau.





















