Andi Goral stellt Bilder vom Menschen in der Janik Gallery in Ammeldingen bei Neuerburg aus. Die Menschen sind nackt, bekleidet und neurodivers. Bei der Vernissage der Ausstellung „evas + adams“ am 3. Oktober gibt es ein Aktzeichnen am lebenden Modell.
Wer sich der 250-Seelen Gemeinde Ammeldingen bei Neuerburg, von Waxbrunnen aus nähert, sieht zunächst die Kirchturmspitze. Rund um die Kirche tragen die Apfelbäume jede Menge Früchte. Der Ort in der Südeifel strahlt etwas paradiesisches in diesen sonnigen Herbsttagen aus.
Aus ehemaliger Dorfschule wird Galerie
In der ehemaligen Dorfschule, mit der in Sandstein gehauenen Zahl „1908“ stellt Andi Goral vom 3. bis 25. Oktober seine figürlichen Werke – vornehmlich Aktmalerei und -zeichnung aus, die alle aktuell für die Einzelausstellung entstanden. Er setzt das erste Menschenpaar im Adams- und Evakostüm in die Südeifel. Mit der „18+“ Serie hinterfragt Goral malerisch eines der berühmtesten Aktbilder „Der Ursprung der Welt“ von Gustave Courbet. An diesem Bild reibt sich bis in unsere Tage die Frage: „Pornografie oder Kunst?“.
Der Titel der Ausstellung „Evas + Adams“ deutet neben seiner rein poetischen Implikation auf eine Reflektion über die Darstellung des Menschen und seiner Nacktheit hin. Die Ausstellung greift historische Bezüge auf und setzt sie in den Kontext der modernen Welt. Sie hinterfragt den Mythos Adam und Eva, den bis heute aufgeworfenen Porno-Vorwurf gegen das Courbet-Werk vor dem Hintergrund einer frei im Internet verfügbaren millionenfachen Abbildung von Pornografie. Zudem zeigt sie wie neurodivers die Menschen in der Eifel sind.
KI Experiment
Das alte Schulhaus in Ammeldingen, das heute die Janik Gallery beherbergt, ist der ideale Ort sich zudem mit dem klassischen Fundament akademischer Zeichenlehre zu beschäftigen. Auf den Holzdielen, wo Erstklässler einst das ABC lernen, wird Manfred Modell stehen. Die Besucherinnen und Besucher der Vernissage sind eingeladen, selbst Akt zu zeichnen. Papier und Stifte sind reichhaltig vorhanden. Die Bilder die die großen Chatbots ChatGPT oder Claude zu Prompts wie „Male ein Bild von Adam und Eva“ oder „Male mir einen männlichen Akt“ produzieren, zeigt die Ausstellung ebenso.
Nacktheit und künstlerische Darstellung zwischen Mythos, Reiz, Pathetik und aktueller Gender-Debatte. Wie verhandelt bildende Kunst Nacktheit oder die Pose aktuell? Der Akt in der Kunst spiegelt symbolische Deutung, gesellschaftliche Realität, Rollenbilder und Schönheitsideale. Das Aktbild erzählt immer eine Story über Äußeres und konfrontiert unser Inneres: Paradies und Tabu, Sünde und Scham, Prüderie und Nacktheit des Körpers.
Mit der Ausstellung „evas + adams“ feiert die Janik Gallery ihre 10. Ausstellung und gleichzeitig die erste Einzelausstellung eines Künstlers. Ein umfangreicher Katalog mit 140 Seiten und einer kunstgeschichtlichen Einordnung begleiten die Ausstellung. (Dieser findet sich zum Download oder zum digitalen Durchblättern am Ende des Blogbeitrages)

Das Foto zeigt eine Gruppe Menschen beim Aktzeichnen bei der Eröffnung der Ausstellung „evas + adams“ von Andi Goral in der Janik Gallery am 3. Oktober 2026
„evas + adams“
Andi Goral in der Janik Gallery
3. bis 25. Oktober 2026
Besuche ohne Voranmeldung: Jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr möglich.
Vernissage
3. Oktober 2026 von 14 bis 18 Uhr
15.30 + 17 Uhr: zeichnen mit Modell
Janik Gallery
Brunnenstr. 11
54673 Ammeldingen bei Neuerburg
janikgallery.com
Individuelle Galeriebesuche mit Künstlerführung vom 4. bis 25.10.2026 nach Absprache: info@janikgallery.com
Hinweis für Besuchende
Die Ausstellung enthält Darstellungen von Nacktheit. Galerie und Künstler empfehlen, die Werke erst ab einem Alter von 16 Jahren zu betrachten. Bitte berücksichtigen Sie dies bei Ihrem Ausstellungsbesuch.
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Kunst oder Porno? – Katalog "evas + adams"
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Weitere InformationenDas Blättermodul zum Katalog finden Sie hier (externe Website) bei Heyzine >



















Ein erwachsener Mensch atmet am Tag rund 23.000 mal. Je nach Aktivität und Alter. Ein und aus, ein und aus. Jede und Jeder.
Sesshafte bilden komplexe Strukturen und produzieren mit der Erde, auf der sie sich niederließen. Diese „Neolithische Revolution“ begann vor 12.000 Jahren. Heute in Zeiten des exponentiellen Wachstums hinterlassen beide Spuren. Die Grenzen des Wachstums sind erkannt und beiden bekannt. Lösungen liegen vor. Setzen Menschen sie um? Die Anführer der neuen Nomaden versprechen jetzt unendliche Ressourcen im Weltall und trommeln für ein Weiterziehen. Viele der Sesshaften pressen ihr Eigentum gierig aus. Beide, Nomaden und Sesshafte, hinterlassen ihre öligen Spuren in der Erde. Beide sehen und handeln nach dem Prinzip „Aus den Augen aus dem Sinn“.
Wir gehen aufrecht und schwärmen von unserer „Wonderful World“ mit blauem Himmel und roten Mohnblumen. Die Probleme unseres Handelns blenden wir vor so viel Schönheit aus. Die Malerei „Aus den Augen“ dreht diese Perspektive um 180 Grad und bringt die Erde auf Augenhöhe. Aber sie zeigt nicht einfach nur die auf den Bildträger aufgeklebte Erde aus der Eifel. In diese Eifelerde ist Alltagsmüll eingemalt: Ein rosafarbener Gummihandschuh, ein gebrauchtes Kondom, ein durchsichtiger Knotenbeutel, ein gelbes Zitronennetz, ein Coffee-to-go-Becher, eine graue Ein-Liter-Öldose sowie eine blaue Plastiktrinkflasche. Die abstrahiert gemalten Gegenstände werden in der Realität alle aus Erdöl hergestellt. Erdöl ist eine Ressource, die der Mensch der Erde entnimmt. In der vom Menschen vermüllten Erde wächst eine Karotte, die sinnbildhaft für unsere Lebensmittel steht und eine Mohnblume ragt ins weite Blau.





















